Tony Oursler

Anomalien
18.06 – 06.11.2022
LabElysée
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Im Rahmen der Einweihung des neuen Gebäudes hat Tony Oursler (1957) bei Photo Elysée freie Hand bekommen. Diese Gelegenheit nutzte der amerikanische Künstler, um im LabElysée-Bereich drei Video-Installationen vorzustellen. Oursler widmet seine Ausstellung einem sehr speziellen Thema, nämlich Zeugnissen von Begegnungen mit UFOs (unidentifizierten Flugobjekten) und stellt damit unser Verhältnis zu Bildern und ihrem Einfluss in Frage – und das in einer Welt, in der es immer mehr Bildschirme gibt.

Die Installationen bestehen aus Fotografien, Dokumenten und Videos über UFOs und untersuchen die visuellen Konzepte der «Ufologie». Sie laden die Besucherinnen und Besucher dazu ein, zu dem Gesehenen Stellung zu beziehen, und die Information, die ihnen angeboten werden, in Frage zu stellen. Durch das Spiel mit der Wahrnehmung, die Betonung von Details und die Vermischung von Quellen wirbelt Oursler die Referenzen durcheinander und schafft Illusionen. Ohne sich jemals klar zur Existenz extraterrestrischer Lebensformen zu äussern, stellt der Künstler Realität und Vorstellungskraft auf dieselbe Ebene und lässt uns so zwischen Fiktion und Entzauberung hin- und herschwanken.

Ursprünglich stammt diese Arbeit aus der persönlichen Sammlung von Tony Oursler. Im Werk Impondérable, les archives de Tony Oursler (2015, JRP | Ringier) schrieb Branden W. Joseph: «Tony hat so viele Fotografien unidentifizierten Flugobjekte zusammengetragen, dass man beginnt, in der Kollektion ein bestimmtes bildliches Genre zu erkennen – die UFO-Fotografie». Oursler hat dieses Thema seit den 1970er Jahren in seine Arbeit eingebunden. Schon früh interessierte er sich für Geschichten über Entführungen durch Ausserirdische, wie sie in Taschenbüchern und in der Boulevardpresse zu lesen waren. Im Allgemeinen fand man hier auch mehr schlecht als recht retuschierte Schwarz-Weiss-Illustrationen, die mit den technischen Vorläufern von Photoshop bearbeitet worden waren. Vom gepflegten Science-Fiction-Bildmaterial, das durch die Star-Wars-Filme grosse Beliebtheit erlangte, waren sie noch weit entfernt.

Diese optisch eher dürftigen Bilder, die meist nur eine Form mit unscharfen Konturen auf einfarbigem Hintergrund zeigen und keinen Massstab angeben, gehören jedoch zu den einflussreichsten unserer Epoche. Jeder kennt sie. Fast könnte man meinen, die Mängel in der Erkennbarkeit würden die Wahrhaftigkeit der Aufnahme garantieren. Durch kluge Fotomontage-Arbeiten stellt Tony Oursler seit den 1950er Jahren bis heute veröffentlichte Quellen einander gegenüber. Er vergleicht damit unterschiedliche Epochen und untersucht die jeweiligen Mechanismen der Einflussnahme. Lange vor den sozialen Netzwerken ermöglichten diese Dokumente ihren Autoren, sich an ein sehr breites Publikum zu wenden und in bestimmten Medien Expertenstatus zu geniessen.

Fantasie, Realität oder Mischung aus beiden – welche Anhaltspunkte gibt es? 2020 stellte das Pentagon offiziell drei von Piloten der amerikanischen Marine aufgenommene Flugvideos ins Internet, die Begegnungen mit – allem Anschein nach – nicht identifizierten Flugobjekten zeigen. Dies heizte die Debatte über die Existenz ausserirdischen Lebens neu an. Was geschieht, wenn sich eine solche Institution in die Diskussion einmischt? Vor dem Hintergrund dieses Ereignisses wollte Tony Oursler seine Recherchen rund um diese Bildgattung neu auflegen.