Hannah Darabi

Why Don't You Dance?
26.06 – 01.11.2026

Die iranische Künstlerin Hannah Darabi (1981), Preisträgerin des von einer internationalen Expertenjury verliehenen Prix Elysée 2025, beleuchtet mithilfe von Fotografien, Videos und Archivmaterial den iranischen Volkstanz – geprägt von der sozialen und politischen Geschichte ihres Herkunftslandes – als Akt des identitätsstiftenden Widerstands.

Mit ihren Fotoserien, in denen ihre Bilder mit Archivmaterial, Texten und Objekten in Dialog treten, offenbart sie die komplexe politische Lage im heutigen Iran.

Ausstellung

Inspiriert von „Frau, Leben, Freiheit“, der jüngsten landesweiten Protestbewegung gegen die restriktiven Gesetze, die die iranische Regierung den Frauen aufzwingt, beschäftigt sich ihr Projekt Why Don't You Dance? (Warum tanzt du nicht?) mit drei Schlüsselfiguren des iranischen Volkstanzes. Jeder dieser drei Personen widmet die Künstlerin einen eigenen Teil der Ausstellung, lässt sie in Dialog miteinander treten und schlägt damit eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem Iran und der Diaspora.

Mahvash, eine der ersten Kabarettsängerinnen und -tänzerinnen der 1950er-Jahre, bildet dabei die Grundlage: Anhand ihrer fiktionalen Autobiografie untersucht Hannah Darabi, wie der Tanz während der Revolution von 1979 als Mittel des Protests fungierte und wie der weibliche Körper – sowohl in Bezug auf seine Ausdrucksmöglichkeiten als auch auf sein Erscheinungsbild – immer stärkeren Zwängen unterworfen wurde. In einer Serie von Collagen greift Hannah Darabi ihr wegweisendes Buch Les secrets de l’accomplissement sexuel (1957) (Das Geheimnis sexueller Erfüllung) neu auf, indem sie Zeitschriftenseiten, Textauszüge, Alltagsgegenstände und eigene Fotografien miteinander kombiniert.

Jamileh, bekannt für ihre Virtuosität im Bauchtanz und im „Jaheli-Tanz“ – einer in der iranischen Stadtkultur verwurzelten, populären Tanzform –, verkörpert das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Dieses spielerische Verwischen von zeitlichen Grenzen wird mit einer Serie von drei Videos in Szene gesetzt, für die Hannah Darabi mit einem Kollektiv von Tänzer:innen und Choreograf:innen in Berlin zusammengearbeitet hat.

Die dritte zentrale Figur in Why Don’t You Dance? ist Mohammad Khordadjan, ein Tänzer und Choreograf der iranischen Popszene in Los Angeles. Mit ihm lenkt Hannah Darabi den Blick auf die Diaspora und die im Exil entwickelten Bräuche, indem sie Einblicke in die Abende des legendären Cabaret Tehran gewährt, einem angesagten Treffpunkt für Iraner:innen in Südkalifornien.

Anhand dieser drei Persönlichkeiten untersucht Hannah Darabi, wie der Tanz den Wandel der iranischen Gesellschaft von einem traditionellen Geschlechterverständnis hin zu einem modernistischen Diskurs begleitet hat. Das Projekt lässt so Unterhaltung zum politischen Akt werden, das Archiv zu einem Werkzeug des Widerstands und künstlerische Performance zum Ausdruck fröhlicher Resilienz.

Hannah Darabi

Hannah Darabi (IR, 1981) ist eine in Teheran geborene Künstlerin. Sie studierte dort an der École supérieure des Beaux-Arts, bevor sie ihre Ausbildung an der Universität Paris VIII Vincennes-Saint-Denis fortsetzte. Heute lebt sie in Paris und widmet den Grossteil ihrer künstlerischen Arbeit ihrem Herkunftsland, dessen soziale, kulturelle und politische Herausforderungen sie mithilfe von Bildern, Videos und Archivmaterial untersucht.

Sie erhielt 2022 den Bernd-und-Hilla-Becher-Förderpreis für ihr künstlerisches Gesamtwerk und wurde für ihre Ausstellung bei den Rencontres d’Arles 2023 mit dem Prix de la Photo Madame Figaro ausgezeichnet.

Ihre Bücher und Werke sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Ihr 2019 bei Spector Books und Le Bal erschienenes Buch Rue Enghelab, la Révolution par les livres: Iran 1979–1983 wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2021 veröffentlichte das Kunstzentrum GwinZegal das Forschungs- und Kreativprojekt Soleil of Persian Square (Sonne des persischen Platzes), das sich mit der iranischen Diaspora in Südkalifornien und ihrer volkstümlichen Musik befasst.

Prix Elysée

Der alle zwei Jahre verliehene und mit 80.000 Schweizer Franken dotierte Prix Elysée zeichnet Fotokünstler:innen in der Mitte ihrer Karriere für die Umsetzung eines bisher unveröffentlichten Projekts aus. Er steht ganz im Zeichen des Anspruchs von Photo Elysée, zeitgenössisches künstlerisches Schaffen zu fördern und Künstler:innen in einer entscheidenden Phase ihrer Laufbahn begleitend zu unterstützen.

Seit seiner Einführung im Jahr 2014 wurde der Prix Elysée an Hannah Darabi (2025), Debi Cornwall (2023), Kurt Tong (2021), Luis Carlos Tovar (2019), Matthias Bruggmann (2017) und Martin Kollar (2015) verliehen.

Der Prix Elysée ist aus einer exklusiven Partnerschaft von Photo Elysée mit Parmigiani Fleurier hervorgegangen.

Kuratorin: Lydia Dorner

Publikation

Die Publikation Why Don't You Dance? erscheint im Verlag Kodoji Press.

Credits

Hannah Darabi. Why Don't You Dance?

Kuratorin
Lydia Dorner

Ausstellungsgestaltung
Amanda Antunes

Grafik
Unstated International

Übersetzungen
Flavia Ambrosetti
Julia A. Noack
Christopher Scala

Drucke und Rahmung
Atelier Actinic
Yannick Luthy

Lieferanten
Azur Scenic
Colorlito SA

Partner

Der Prix Elysée ist das Ergebnis einer exklusiven Partnerschaft zwischen Photo Elysée und Parmigiani Fleurier