Inspiriert von „Frau, Leben, Freiheit“, der jüngsten landesweiten Protestbewegung gegen die restriktiven Gesetze, die die iranische Regierung den Frauen aufzwingt, beschäftigt sich ihr Projekt Why Don't You Dance? (Warum tanzt du nicht?) mit drei Schlüsselfiguren des iranischen Volkstanzes. Jeder dieser drei Personen widmet die Künstlerin einen eigenen Teil der Ausstellung, lässt sie in Dialog miteinander treten und schlägt damit eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem Iran und der Diaspora.
Mahvash, eine der ersten Kabarettsängerinnen und -tänzerinnen der 1950er-Jahre, bildet dabei die Grundlage: Anhand ihrer fiktionalen Autobiografie untersucht Hannah Darabi, wie der Tanz während der Revolution von 1979 als Mittel des Protests fungierte und wie der weibliche Körper – sowohl in Bezug auf seine Ausdrucksmöglichkeiten als auch auf sein Erscheinungsbild – immer stärkeren Zwängen unterworfen wurde. In einer Serie von Collagen greift Hannah Darabi ihr wegweisendes Buch Les secrets de l’accomplissement sexuel (1957) (Das Geheimnis sexueller Erfüllung) neu auf, indem sie Zeitschriftenseiten, Textauszüge, Alltagsgegenstände und eigene Fotografien miteinander kombiniert.
Jamileh, bekannt für ihre Virtuosität im Bauchtanz und im „Jaheli-Tanz“ – einer in der iranischen Stadtkultur verwurzelten, populären Tanzform –, verkörpert das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Dieses spielerische Verwischen von zeitlichen Grenzen wird mit einer Serie von drei Videos in Szene gesetzt, für die Hannah Darabi mit einem Kollektiv von Tänzer:innen und Choreograf:innen in Berlin zusammengearbeitet hat.
Die dritte zentrale Figur in Why Don’t You Dance? ist Mohammad Khordadjan, ein Tänzer und Choreograf der iranischen Popszene in Los Angeles. Mit ihm lenkt Hannah Darabi den Blick auf die Diaspora und die im Exil entwickelten Bräuche, indem sie Einblicke in die Abende des legendären Cabaret Tehran gewährt, einem angesagten Treffpunkt für Iraner:innen in Südkalifornien.
Anhand dieser drei Persönlichkeiten untersucht Hannah Darabi, wie der Tanz den Wandel der iranischen Gesellschaft von einem traditionellen Geschlechterverständnis hin zu einem modernistischen Diskurs begleitet hat. Das Projekt lässt so Unterhaltung zum politischen Akt werden, das Archiv zu einem Werkzeug des Widerstands und künstlerische Performance zum Ausdruck fröhlicher Resilienz.