Train Zug Treno Tren

Freie Bahn
18.06 – 25.09.2022

Im Rahmen der Eröffnungsschau Train Zug Treno Tren, begibt sich die Ausstellung von Photo Elysée unter dem Titel Freie Bahn auf neue Wege durch 150 Jahre Eisenbahngeschichte, ausgehend von den ersten Experimenten mit dem Zug im 19. Jahrhundert bis hin zu heutigen Gebrauchsformen.

An erster Stelle stehen die engen Beziehungen zwischen dem Ausbau des Streckennetzes – insbesondere mit dem Bau des ersten Eisenbahntunnels unter dem Gotthard zwischen den Schweizer Kantonen Uri und Tessin (1872–1880) –, dem Aufkommen des Kinos – nicht umsonst heisst eines der ältesten (1895–1896) und berühmtesten Werke der Filmgeschichte von Louis und Auguste Lumière L’Arrivée d’un train en gare de La Ciotat [Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat] – und der künstlerischen und literarischen Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – namentlich mit der Figur des Schriftstellers Blaise Cendrars und seinen vielen künstlerischen Gemeinschaftsprojekten von der Malerei über die Musik bis hin zum Film.

Anschliessend entfaltet sich das Thema Zug, mit seiner zugleich symbolischen, politischen, wirtschaftlichen, städtebaulichen, gesellschaftlichen und kulturellen Tragweite, von Raum zu Raum in seiner ganzen Fülle. Die Ausstellung präsentiert die mit Eisenbahndarstellungen verbundenen Bildsprachen und Ausdrucksformen; folgt dem Netz aus Schienen, Tunneln, Brücken und Bahnhöfen in der Schweiz wie im Ausland; begibt sich auf Entdeckungsreise zu Wahrzeichen wie dem Bahnhof Saint-Lazare und dem Pont de l’Europe in Paris oder den Hochbahnlinien der EL in New York; sie untersucht die komplexen gesellschaftlichen Verhältnisse von Bahnhöfen, Zügen und Waggons; blickt auf die Kämpfe und Auseinandersetzungen der bei der Bahn Arbeitenden zurück und stellt neue Ansichtspunkte vor, die auf anderen Formen des Reisens basieren.

Die mit nahezu 350 Exponaten – Dokumenten und Objekten – überaus reichhaltige Ausstellung gliedert sich in drei Durchgänge bzw. «Strecken» sowie 15 thematische Einheiten bzw. «Stationen», die den Etappen einer Eisenbahnreise, der Wagenreihung eines Zuges und der Abteilfolge in den einzelnen Wagen entsprechen. Der erste Streckenabschnitt führt mit Visionen, Utopien und Eroberungsgeist aus dem 19. bis ins 20. Jahrhundert. Die zweite Etappe bildet die frühe Nutzung der Schiene, vom Erlernen des Eisenbahnfahrens bis zur Melancholie- Erfahrung der Reise an sich. Sie zeigt zum einen die unterschiedlichen Fortbewegungsarten und Situationen im Bahnhof, zum anderen die Figuren und Ansichten im Wageninneren auf. Der dritte Abschnitt greift einzelne Aspekte des Eisenbahnuniversums im Spannungsfeld von Faszination, Inspiration und kritischer Distanz heraus: Von den Gesichtern der Bahnbeschäftigten bis zu den dunkelsten Stunden der Eisenbahngeschichte, von der überraschenden Andersartigkeit von Zügen in der Fremde bis hin zu alternativen Reiseformen unserer Zeit.

Auf eine ganz eigene, unerwartete, verblüffende Art gelingt es diesen neuen Querverbindungen, Wirklichkeit und Fantasie, Vergangenheit und Gegenwart, Stillstand und Bewegung, Sehen und Gesehenwerden, Erlebnis und Andenken, das Hiesige und das Andere entlang der kreativen Auseinandersetzung mit der Eisenbahn (wieder) zusammen zu führen. Darüber hinaus berichten sie von der Reise der Erzählungen und Bilder, quer durch die Epochen, Medien und Bildträger.

Die Ausstellung möchte letztlich die Entwicklung der ästhetischen Sprachen und künstlerischen Formen veranschaulichen, die mit dem Wandel der Lebensweisen vom 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit einhergehen. Im Mittelpunkt stehen dabei die unmittelbaren Eindrücke, Zeitzeugnisse und Experimente von Kunstschaffenden, Dichter*innen, Flanierenden, Reisenden, Eisenbahnbeschäftigten und Bewohner*innen dieser Erde.

Kommissariat

Generalkommissariat

  • Bernard Fibicher, Direktor des Musée Cantonal des Beaux-Arts
  • Tatyana Franck, Direktorin des Photo Elysée (bis Januar 2022)
  • Chantal Prod’Hom, Direktorin des mudac

Ausstellungskuratorium

  • Marco Costantini, stellvertretender Direktor am mudac
  • Marc Donnadieu, Chefkurator des Photo Elysée
  • Camille Lévêque-Claudet, Kurator am Musée Cantonal des Beaux-Arts

Partner

Die Ausstellung wird unterstützt von La Loterie Romande, La Fondation Leenaards, La Fondation Le Cèdre und La Fondation Ernst Goehner.