Alfredo Jaar

Inferno & Paradiso
26.06 – 01.11.2026

Alfredo Jaar ist einer der sozial engagiertesten Künstler unserer Zeit. Mit dieser von ihm konzipierten Ausstellung führt er das Publikum in eine immersive Installation aus Diaprojektionen. Das Projekt umfasst Fotografien von zwanzig zeitgenössischen Pressefotograf:innen, die vom Künstler ausgewählt und gebeten wurden, je zwei Bilder aus ihren Archiven auszusuchen: das schmerzhafteste und das hoffnungsvollste Foto ihrer bisherigen Laufbahn.

Wie Vergil in Dantes Göttlicher Komödie nimmt uns Alfredo Jaar mit auf eine Reise, die zwischen Hölle und Paradies wechselt und uns mit unserer eigenen Empfindungslosigkeit angesichts der kontinuierlichen Flut von Bildern menschlichen Leids konfrontiert.

Ausstellung

Inferno & Paradiso vereint vierzig Fotografien von zwanzig Fotojournalist:innen, die von Alfredo Jaar nach ihrer Fähigkeit ausgewählt wurden, das Menschsein in unserer heutigen Zeit in seiner ganzen Komplexität zu erfassen. Von der Ukraine bis Argentinien, von Gaza bis New York, vom Kongo bis zu den Philippinen – diese Fotografien zeugen von den Krisen, die unsere Gesellschaft durchziehen, dokumentieren aber auch die Freuden und das Glück, von denen sie erfüllt ist. Diese Dualität unserer Welt, die sich zwischen Himmel und Hölle aufreibt, bildet den Ausgangspunkt für sein Projekt.

In einem abgedunkelten Raum werden dem Publikum gleichzeitig zwanzig Projektionen vorgeführt, die jeweils ein Bild zeigen, das entweder die Hölle oder das Paradies verkörpert. Die Sequenzen wechseln alle zwanzig Minuten zwischen den beiden Welten. So wird das Publikum zwanzig Minuten lang in eine visuelle Umgebung hineingezogen, die von einem der beiden Register dominiert wird, bevor es erneut in die entgegengesetzte Welt eintaucht.

Mit diesem immersiven Parcours lädt Alfredo Jaar das Publikum ein, die Emotionen zu hinterfragen, die durch diese Fotografien der Freude und des Schmerzes hervorgerufen werden. In einer Gesellschaft, die von einem Überfluss an Bildern übersättigt ist, macht Inferno & Paradiso deutlich, dass das Medium Fotografie dennoch nichts von seiner Wirkungskraft eingebüsst hat.

Diese immersive Installation, die 2025 bereits in Cortona zu sehen war, reiht sich ein in die interdisziplinäre Arbeitsweise von Alfredo Jaar, der sich mit den durch Globalisierung und Kapitalismus bedingten Machtgefällen und soziopolitischen Spaltungen auseinandersetzt. Das Projekt reflektiert auf präzise und eindringliche Weise die Rolle des fotografischen Bildes und der Medien in der heutigen Gesellschaft sowie die Verantwortung derer, die damit umgehen.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein On The Move für das internationale Fotofestival Cortona On The Move.

Cortona

Kuratoren: Paolo Woods und Kublaiklan.

Alfredo Jaar

Alfredo Jaar (1956) ist Künstler, Architekt und Filmemacher chilenischer Herkunft, der nach über 40 Jahren in New York heute in Lissabon lebt und arbeitet. Er gilt als einer der kulturell, politisch und sozial engagiertesten bildenden Künstler unserer Zeit. 1994 reiste er nach Ruanda und wurde Zeuge des Völkermords – eine Erfahrung, die sein Leben und seine künstlerische Praxis radikal verändern sollte.

Sein Werk wurde bereits vielfach auf der ganzen Welt ausgestellt, unter anderem auf der Biennale in Venedig (1986, 2007, 2009, 2013), auf der Documenta für zeitgenössische Kunst in Kassel (1987, 2002) und bei den Rencontres d’Arles (2013). Mehr als achtzig Monografien widmen sich seinem Werk, darunter eine monografische Ausstellung im Musée Cantonal des Beaux-Arts in Lausanne im Jahr 2007. Alfredo Jaar wurde mit dem Hasselblad-Preis (2020), dem IV Mediterranean Albert Camus Prize (2024) und dem Prix Pictet (2025) ausgezeichnet.

Seine Werke finden sich in den Sammlungen des MoMa in New York und des Guggenheim-Museums, New York, des Art Institute in Chicago, des Museum of Contemporary Art in Los Angeles und des Los Angeles County Museum of Art, der Tate Modern in London, des Centre Georges Pompidou in Paris, des Museo Reina Sofia in Madrid, des MAXXI, des MACRO in Rom und des MCBA in Lausanne sowie in zahlreichen Institutionen und Privatsammlungen weltweit.

Publikation

Begleitend zur Ausstellung ist der Ausstellungskatalog Inferno & Paradiso im Verlag L’Artiere erschienen.

Warnhinweis

Einige in dieser Ausstellung gezeigte Werke könnten die Sensibilität des Publikums verletzen.

Partner

Die Ausstellung erhält die grosszügige Unterstützung des Bundesamts für Kultur.