Ella Maillart

Fotografische Erzählungen
06.03 – 01.11.2026

Keine Online-Reservierung erforderlich

Sie war Reisende, Fotografin und Schriftstellerin: Ella Maillart (1903–1997) unternahm im Laufe des 20. Jahrhunderts zahlreiche Reisen durch ganz Asien. Im Jahr 2025 wurde ihr Gesamtwerk von der UNESCO als Werk von universellem Wert anerkannt und in das Register des Weltdokumentenerbes, „Memory of the World" aufgenommen. Photo Elysée, das seit 1988 ihren aus mehreren Tausend Bildern bestehenden fotografischen Nachlass verwahrt, würdigt sie mit einer Ausstellung.

Auf den Spuren der vier grossen Asienreisen, die Ella Maillart in den 1930er-Jahren unternahm, beleuchtet die Ausstellung den Dialog zwischen ihren Fotografien und ihren schriftlichen Werken und zeigt, wie ihr Schaffen eine entscheidende Epoche der Weltgeschichte dokumentiert.

Ausstellung

Zwischen 1930 und 1939 erforschte Ella Maillart mit ausgeprägter Neugier und dem Wunsch, andere Lebensweisen zu verstehen, Zentralasien und den Fernen Osten. Sie bereiste die Sowjetunion, China, Afghanistan und den Iran und erlebte die Sowjetisierung Zentralasiens, den Wandel Chinas nach dem Sturz des Kaiserreichs und die Errichtung von Mandschukuo – einem von Japan kontrollierten Staat in der Mandschurei. Ihre Reiseerlebnisse dokumentierte sie in schriftlichen Aufzeichnungen und mit Hunderten von Fotografien, die sie nach ihrer Rückkehr in die Schweiz mit präzisen Anmerkungen versah.

Der hier vorgestellte Korpus offenbart die historischen Ereignisse, die sie miterlebte, und die Begegnungen, die ihren Blick prägten. Ihre Bilder werden begleitet von ihren schriftlichen Aufzeichnungen, die die politischen und sozialen Herausforderungen der damaligen Zeit beleuchten. Zusammen geben sie ein einzigartiges Zeugnis über einen Wendepunkt in der Geschichte Asiens und der Welt.

Ella Maillart

Ella Maillart wurde am 20. Februar 1903 in Genf geboren und entdeckte schon sehr früh ihre Leidenschaft für das Lesen, insbesondere für Reiseberichte. Als ihre Familie 1913 nach Creux-de-Genthod am Ufer des Genfersees zog, erlernte sie zusammen mit ihrer Freundin und Nachbarin Hermine de Saussure, genannt Miette, das Segeln. Im Winter widmete sie sich dem Skifahren und Eishockey. Im Jahr 1924 nahm sie an den Olympischen Spielen in Paris im Segeln teil und trat zwischen 1931 und 1934 bei mehreren Ski-Weltmeisterschaften für die Schweiz an.

Nachdem sie mehrmals das Mittelmeer durchquert hatte, gab Ella Maillart das Segeln auf. Verschiedene berufliche Tätigkeiten, die sie ausübte, brachten ihr keine wirkliche Erfüllung, und so brach sie 1930 zu einer ersten Reise in die Sowjetunion auf, um andere Lebensweisen kennenzulernen. Sie hielt sich fast sechs Monate lang in Moskau auf und erkundete den Kaukasus.

1932 bereiste sie Russisch-Turkestan und bestieg dort Berggipfel, von denen aus sie zum ersten Mal die Landschaften Chinas erblickte. 1934 wurde Maillard von der französischen Tageszeitung Le Petit Parisien als Journalistin in die Mandschurei gesandt. In dieser Region im Nordosten Chinas entdeckte sie Mandschukuo, einen von Japan errichteten und kontrollierten Satellitenstaat.

1935 traf sie in Peking den britischen Schriftsteller und Offizier Peter Fleming. Zusammen beschlossen sie, gemeinsam nach Xinjiang aufzubrechen, einer für Ausländer streng abgeriegelten Region im Nordwesten Chinas, in der schon seit mehreren Jahren ein Bürgerkrieg tobte. Auf ihrer siebenmonatigen Reise von Peking bis nach Indien legten die beiden mehr als 6000 Kilometer zurück.

1939 brach Ella Maillart in Begleitung der Schweizer Schriftstellerin Anne-Marie Schwarzenbach in einem Ford zu einer Reise von Genf nach Kabul auf. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, liess sie sich in Indien nieder, wo sie bis 1945 blieb, wohingegen Schwarzenbach nach Europa zurückkehrte.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz lebte Ella Maillart teils in Genf, teils in Chandolin im Val d'Anniviers. Zwischen 1957 und 1987 war sie als Reiseleiterin bei mehreren Gruppenreisen nach Asien tätig. Daneben hielt sie zahlreiche Vorträge über ihre Entdeckungsreisen, bei denen sie ihre Fotografien vorführte.

1988 übergab Ella Maillart ihr fotografisches Werk an Photo Elysée und das Archiv ihrer schriftlichen Werke an die Bibliothèque de Genève. Seitdem sorgen diese beiden Institutionen in Zusammenarbeit mit der Ella-Maillart-Stiftung für den Erhalt und die Aufwertung ihres Erbes. Photo Elysée widmete dieser bedeutenden Persönlichkeit der Reiseliteratur bereits mehrere Ausstellungen, insbesondere in den Jahren 1990, 1997 und 2003.

Ella Maillart starb am 27. März 1997 im Alter von 94 Jahren in Chandolin.

Credits

Ella Maillart. Fotografische Erzählungen

Kuratorinnen
Fanny Brülhart und Elisa Rodríguez Castresana
Mit der Mitarbeit von Lisa Benaroyo

Szenografie und grafische Gestaltung
Balmer Hählen

Korrektorat
Audrey Zimmerli

Übersetzungen
Scala Wells Sàrl
Flavia Ambrosetti
Julia A. Noack

Digitalisierung
Anthony Rochat, mit der Mitarbeit von Sofia Napoli

Danksagung
Photo Elysée dankt herzlich Anneliese Hollmann, der Ella-Maillart-Stiftung und ihrem Präsidenten Jean-Claude Zufferey, der Bibliothèque de Genève, der Cinémathèque suisse, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sowie dem Leihgeber der Ausstellung.

Partner

Die Ausstellung erhält die grosszügige Unterstützung des Bundesamts für Kultur, von Piguet Galland, der Fondation Coromandel  sowie der Fondation Bru.